Im Kontext des Millennium+5-Gipfels im September 2005 war ein breites Spektrum von Aktivitäten zu verzeichnen; zu zahlreichen Berichten internationaler Kommissionen und Vorbereitungstreffen kam eine der massivsten Kampagnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, aber auch von der UNO selbst. Ziel war es, auf dem September-Gipfel einen Durchbruch nicht nur bei der Umsetzung der sog. Millenniumsziele (Millennium Development Goals – MDG) zu erreichen, sondern auch bei der Reform der Vereinten Nationen und der Verbesserung der globalen Wirtschaftskooperation. Eine W&E-Übersicht über die wichtigsten Berichte und Aktivitäten im Millennium+5-Jahr.
* Der Kofi-Annan-Report
Eine zentrale Rolle als Beschlußvorlage zum September-Gipfel kommt dem Bericht des UN-Generalsekretärs Kofi Annan zu, der Ende März 2005 erschienen ist und den Titel In larger freedom: towards development, security and human rights for all trägt. Der Bericht verknüpft die zentralen Stränge der globalen Debatte, wie Verwirklichung der MDGs, Probleme der kollektiven Sicherheit und die Verwirklichung der Menschenrechte und unterbreitet Kompromißvorschläge für die Gipfel-Beschlüsse. Das Dokument ist Gegenstand eines breiten Beratungsprozesses innerhalb der UN. Neben eigenständigen Ideen stützt sich der UN-Generalsekretär vor allem auf zwei von ihm in Auftrag gegebene Berichte, die Ende 2004 und Anfang 2005 vorgelegt wurden (s.w.u.). > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> W&E 04/2005 > Analyse >>> hier [375 KB]
* Der High-level Panel-Report
Der Bericht des vom UN-Generalsekretär eingesetzten High-level Panel on Threats, Challenges and Change erschien unter dem Titel A more secure world: our shared responsibility. Der Bericht enthält Vorschläge zur Reform des UN-Sicherheitsrats, zur Wahrung des Gewaltmonopols der UN und zur sog. „Verantwortung zum Schutz“ für den Fall, daß Regierungen auf ihrem Territorium massive Menschenrechtsverletzungen begehen oder dulden, aber auch zu einer besseren internationalen wirtschaftspolitischen Koordination. > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> W&E-SD 5/2004 > Analyse >>> hier [205 KB]
* Der Sachs-Report
Das zweite zentrale Referenzdokument des UN-Generalsekretärs ist der Bericht des UN-Millenniumprojekts unter Leitung von Jeffrey D. Sachs. Es erschien im Januar 2005 und hat den Titel Investing in Development: A Practical Plan to Achieve the Millennium Development Goals. Der Bericht berechnet den Finanzbedarf zur Verwirklichung der MDGs und zeigt zahlreiche praktische Wege der Verwendung der zusätzlichen Mittel auf. Er fordert eine Verdoppelung der internationalen öffentlichen Hilfe (ODA) bis 2006 und eine Verdreifachung bis 2015. Wenngleich in seinen konzeptionellen Grundlagen nicht unumstritten, entkräftet der Sachs-Report zahlreiche Argumente, aus denen sich der anhaltende Entwicklungspessimismus speist. > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> W&E 02/2005 > Analyse >>> hier [426 KB]
* Der Cardoso-Bericht
Schon seit Mitte letzten Jahres liegt der Bericht des Panel of Eminent Persons on United Nations-Civil Society Relations vor, der (nach dem Vorsitzenden des Panels benannte) Cardoso-Report. Titel: We the peoples: civil society, the United Nations and global governance. Der Bericht macht Vorschläge zum Ausbau der UN-Beziehungen zu nichtstaatlichen Gruppen, vor allem zu NGOs und anderen Akteuren des Privatsektor wie privaten Unternehmen. > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> hier
* Der Social Dimensions-Bericht
Nach wie vor aktuell ist auch der im Frühjahr 2004 unter dem Titel A Fair Globalization: Creating Opportunities for All erschienene Bericht der World Commission on the Social Dimensions of Globalization. Er artikuliert stärker als andere Berichte die sozio-ökonomischen Seiten der politischen Ausgestaltung der Globalisierungsprozesse und macht Vorschläge zur Weiterentwicklung des Wirtschafts- und Sozialbereichs der UN, darunter zur Reform der Bretton-Woods-Institutionen IWF und Weltbank sowie der WTO. Er unterstreicht die zentrale Bedeutung der Beschäftigungspolitik im Rahmen globaler Wachstums- und Investitionsstrategien. > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> W&E 03-04/2004
* Der Afrika-Bericht Tony Blairs
Eine besondere Bedeutung kommt dem Bericht der vom britischen Premierminister Tony Blair ins Leben gerufenen Commission for Africa zu, da sie im Vorfeld des G8-Gipfels im Juli 2005 die Debatte um die Mobilisierung neuer Finanzmittel für den afrikanischen Kontinent, auf dem die Realisierung der MDGs besonders gefährdet ist, beleben und konkrete Beschlüsse der G8 vorbereiten soll. Der Bericht unter dem Titel Our Common Interest wurde im März 2005 vorgelegt und verstärkt vor allem britische Initiativen, wie den Vorschlag einer International Finance Facility und eine konsequentere Entschuldung Afrikas. > Wortlaut des Berichts >>> hier > Kurzvorstellung >>> W&E 04/2005 > Analyse >>> hier
* Weitere Berichte
In diesem Sommer erscheinen zwei weitere internationale Berichte, die den Vorbereitungsprozeß auf dem Millennium+5-Gipfel beeinflussen könnten. Ende Juni ist erschienen der
* Bericht des Helsinki Process on Globalization and Democracy > Wortlaut des Berichts >>> hier > Analyse >>> hier > Zusammenfassung >>> hier
Anfang 2006 erscheint der
* Bericht der International Task Force on Global Public Goods > Vorabinformation der Kommission >>> hier > Analyse >>> W&E-SD 3-4/2005
* Berichte von Weltbank und UNDP Auch der World Development Report der Weltbank (Thema Development and Equity) und der Human Development Report des UNDP (Thema Trade, Aid and Security) beziehen sich in diesem Jahr auf den Millenniumprozeß. > Weltbank im Wortlaut >>> hier > UNDP-Bericht im Wortlaut >>> hier. > Zusammenfassung des UNDP- und Weltbank-Berichts >>> W&E 09/2005. > Analyse des Human Development Reports >>> hier.
* Global Monitoring Report 2005 und 2006
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds sind desweiteren am Prozeß der internationalen Überwachung der Umsetzung der MDGs beteiligt. Unter dem Titel MDGs: From Consensus to Momentum ist im April 2005 ihr zweiter Global Monitoring Report erschienen. Er stellt fest, daß die Fortschritte bei der Umsetzung der MDGs langsamer und regional ungleicher als ursprünglich erwartet waren, wobei Subsahara-Afrika die größten Sorgen bereitet. Auch die Gesundheits- und Bildungsziele (Halbierung der Kinder- und Müttersterblichkeit und Grundschulbildung für alle) werden beim derzeitigen Stand der Anstrengungen von den meisten Ländern nicht erreicht werden. Der Bericht schlägt einen Fünf-Punkte-Plan vor, mit dem die MDGs in den nächsten 10 Jahren doch noch realisiert werden sollen, darunter durch mehr Eigenanstrengungen der Entwicklungsländer, durch ein besseres Umfeld für privatwirtschaftliches Wachstum, die Beseitigung von Handelsbarrieren und die Verdoppelung der Entwicklungshilfe der Industriestaaten in den nächsten fünf Jahren.
Der Global Monitoring Report vom April 2006 akzentuiert diesen Ansatz noch stärker. Er hat den Untertitel Strengthening Mutual Accountability - Aid, Trade and Governance und hebt vor allem das Zurückbleiben Afrikas bei der Umsetzung der MDGs hervor. Zugleich unterstreicht er die Bedeutung von Wirtschaftswachstum, Qualitätsverbesserungen in der Entwicklungshilfe, handelspolitischen Reformen und Good Governance für die Verwirklichung der Millenniumsziele.
> Wortlaut des Berichts 2005 >>> hier > Wortlaut des Berichts 2006 >>> hier
* UNO-Reports zur MDG-Umsetzung
Auch die UNO gibt regelmäßig Berichte zur Umsetzung der MDGs heraus. Der neueste trägt den Titel The Millennium Development Goals Report 2005. > Wortlaut des Berichts >>> hier
* Der UN-Weltgipfel
Die internationale Debatte der Regierungen im Rahmen der UN und die Entscheidungsprozesse des Gipfels lassen sich gut über die folgenden Internetseiten verfolgen: > die Website der UN >>> hier > die Website der UN-Wirtschafts- und Sozialabteilung >>> hier > die MDG-Website der UN >>> hier > die Website des NGO-Liaisonkomitees der UN >>> hier > Analyse zum Stand der internationalen Debatte im Vorfeld >>> hier
Der MDG+5-Gipfel selbst beschloß im September 2005 ein sog. Outcome Document, das den Zwischenstand der internationalen Bemühungen kompromißhaft zusammenfaßt. > Wortlaut >>> hier. > Analyse der Gipfelergebnisse >>> W&E-SD 11/2005.
* Die Kampagne der Zivilgesellschaft
Die Millenniumskampagne der Zivilgesellschaft wird weltweit auf verschiedenen Ebenen organisiert. Als Dach versteht sich - ungeachtet des zwischenstaatlichen Charakters des Trägers - zum einen die Millenniumskampagne der Vereinten Nationen, die von der ehemaligen niederländischen Entwicklungsministerin Eveline Herfkens im Auftrag des UN-Generalsekretärs geleitet wird. > Website der UN-Millenniumskampagne >>> hier
Zum anderen wurde auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre/Brasilien (>>> Davos und Porto Alegre) im Februar 2005 der Global Call to Action Against Poverty (im Internet unter www.whiteband.org) lanciert, dem sich die nationalen MDG-Kampagnen verbunden fühlen.
In Deutschland ist dies die Weltweite Aktion gegen Armut >>> hier
Vergleichbare Kampagnen gibt es in > in Österreich >>> hier > in Luxemburg >>> hier und > in der Schweiz >>> hier
Eine Übersicht über Schattenberichte vornehmlich europäischer NGOs und Netzwerke zur Umsetzung der MDGs findet sich >>> hier.
Sehr hoch gehängt wurde die Meßlatte für den Erfolg des Millennium+5-Gipfels in einem Dokument des internationalen Netzwerks SocialWatch mit dem Titel Benchmark for the 5-year Review of the Millennium Summit. Es erschien im März 2005 und faßt die Erwartungen der Zivilgesellschaft an den Gipfel in 11 Kapiteln zusammen, darunter auch zu Bereichen, die im auf die Armutsziele reduzierten UN-Mainstream eher unter „ferner liefen“ rangieren (Beseitigung der Ungleichheit, IFI-Reform, Geschlechtergleichheit, Corporate Accountability usw.). > Zusammenfassung >>> W&E-SD 3-4/2005
In der Europäischen Union wird mal wieder über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik diskutiert. Vor allem das Subventionsregime soll sich stärker an ökologischen Kriterien ausrichten. Während das deutsche Agrarministerium die meisten ökologischen Elemente kritisiert, hat es jetzt überraschend das Ende der Exportsubventionen gefordert.
Die Reform der Finanzmärkte ist in der Europäischen Union längst zum Dauerzustand geworden. Zu manchen Themen befinden sich parallel vier Gesetze auf verschiedenen Prozessebenen in der Beratung. Doch trotz aller Aktivität und Werkelei ist die EU im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten kaum vorangekommen.
"Die EU-Handelspolitik hat zum Ziel, die wirtschaftlichen Früchte der Handelsliberalisierung zu ernten, gleichzeitig aber jene universellen Werte zu fördern, die dem europäischen Projekt zugrunde liegen: Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit." Diese Aussage des EU-Handelskommissars Karel De Gucht ist in gleich mehrfacher Hinsicht aufschlussreich.
Das Weltwirtschaftsforum von Davos findet in der ersten Woche des Jahrs des Drachens statt. In China und überall auf der Welt hoffen die Menschen auf ein glückliches Jahr. Doch vielleicht besteht die einzige Sicherheit darin, dass es ein Jahr der Unsicherheit sein wird. Auf jeden Fall wird sich der Zusammenstoß der Entwicklungs- und Industrieländer intensivieren - und damit der kapitalistischen Systeme.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) will es wissen: Seine finanziellen Ressourcen sollen von derzeit 385 Mrd. US-Dollar auf 1 Billion US-Dollar aufgestockt werden, um auf die potentiellen Krisen der nächsten beiden Jahre adäquat reagieren zu können. Die Mitgliedsländer des Fonds sollten sich darauf einlassen, aber nicht ohne Bedingungen.
Nach Jahrzehnten der Isolation, die die wichtigsten OECD-Länder aus Sorge um die Menschenrechtsverletzungen auferlegt hatten, erscheint Myanmar plötzlich als neuer Liebling des Westens, jedenfalls wenn man die rasche Abfolge der Besuche offizieller Politiker und anderer Gurus nimmt.
Es hatte so vorbildlich angefangen. In der ersten Rede vor seinem neuen Haus am 28. Oktober 2009 hatte Dirk Niebel in aller Bescheidenheit erklärt: "Es ist ein Anfang für mich: Ein neues Amt, eine neue Verantwortung. Wie ich es auch drehe: Für eine Weile bin ich also Anfänger." Die "Weile" war kurz.
Das "Permanente Tribunal der Völker" der Lelio- und Lisli-Basso-Stiftung mit Sitz in Rom hat in einer Verhandlung im indischen Bangalore sechs Multis der Agrochemie, nämlich Monsanto, Dow Chemicals und DuPont aus den USA, Syngenta aus der Schweiz, Bayer und BASF aus Deutschland, verurteilt, ihre Produktion von Umweltgiften sofort einzustellen.
Obwohl kaum einer davon gehört hat, fand Anfang Dezember 2011 eine historische Veränderung in der westlichen Hemisphäre statt. In Caracas/Venezuela wurde eine neue Regionalorganisation aus der Taufe gehoben, und alle waren dazu eingeladen außer den USA und Kanada.
Die Diskussion über die Situation nach Durban, den Klimawandel und die "Durban-Plattform", die die Konferenz verabschiedete, reißt nicht ab. Die Kernfrage lautet: Was haben der Süden und die Welt nach fast zwei Wochen intensiver und nervenaufreibender Verhandlungen gewonnen?